Freie Narrenzunft Wolfach


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Wie die Wolfacher Fasnet vor dem Jahre 1543, ihrer Ersterwähnung, aussah, kann man nicht mit Bestimmtheit sagen.
Einiges deutet darauf hin, dass es Bürgerbälle und unorganisiertes Maskenlaufen gab.

Heute ist die Wolfacher Fasnet geprägt von der Straßenfasnet. Kaum eine andere Zunft erlebt so viele Umzüge in ihren
eimischen Mauern wie die Freie Narrenzunft Wolfach. Von Mittwoch bis Mittwoch sind es tatsächlich zwölf Umzüge:
Fasnetausrufen, 3 Elfemessen, 3 Kaffeetantenumzüge, Wohlauf, Festumzug und Nasenzug und am Aschermittsoch
die Geldbeutelwäsche. An ihnen beteiligen sich frei kostümierte Narren allen Alters, aber auch die Häsgruppen:
Schellenhansel, Röslehansel, Nussschalenhansel, Mehlwurmhansel,Streifenhansel, Spättlehansel, Rungunkeln -
um nur die Maskengruppen zu nennen.

Zwei Umzüge sollen hier beispielhaft kurz beschreiben werden:

Wohlauf:

Mehrere Hundert Teilnehmer treffen sich am Schellenmentig weiß gekleidet vor dem Schlosstor. Sie tragen lange weiße
Nachthemden und weiße Zipfelkappen oder Nachthauben. Ihren Weg beleuchten sie mit Stalllaternen. Punkt 5.30 Uhr
verlöscht in der ganzen Stadt das Licht und am Schlosstor hebt ein unglaublicher Radau an aus Hörnern, Pfeifen,
von Blechdeckeln, Stahlflaschen und Glocken und allem, was irgendwie Krach macht. Mit dabei ist ein handgezogener
Karren, auf dem stalllaternenbeleuchtet ein Bett steht.  An den früheren Nachtwächterstationen hält der Zug an.
Der Wohlaufsänger erhebt sich aus dem Bett und aller Lärm und jedes Wort verstummt. Der Wohlaufsänger nutzt
die Stille im Lärm und singt "den Wohlauf". Noch ehe der letzte Ton verklungen ist, bricht der Lärm erneut los und der
Zug geht weiter bis zum nächsten Halt.

Nasenzug:

Er ist der letzte Fasnetsumzug vor Aschermittwoch. Auch er beginnt vor dem Schlosstor. Kurz bevor das Tageslicht
allmählich schwindet, treffen sich am Fasnetsdienschdig um die 250 bis 300 Männer. Frauen und Mädchen ist es nicht erlaubt,
am Umzug teilzunehmen. Wird dennoch eine erwischt, wird sie - ungeachtet der herrschenden Witterung - in
den Stadtbrunnen geworfen. Die Männer und Buben tragen ihre Kittel lätz herum, am Hut keine schmückenden
Vogelfedern, sondern ein schlichter Holzspan. Selbstverständlich gleicht keine Nase der anderen. Auch bei den
mitgeführten Krachinstrumenten stammen die allerwenigsten aus einer Musikalienhandlung. Jetzt bewegt sich
ein langer Gänsemarsch in Zickzack und Mäander auf einem nicht festgelegten Weg durch sämtliche Winkel und Gassen,
aber auch Gaststätten der Stadt. Nach etwa zwei Stunden ohne Haltepause treffen die inzwischen von
einer eigenartigen Stimmung erfassten Teilnehmer an dem alten Lindenbaum im Schlosshof ein. Sie umkreisen
ihn in einer großen Schnecke. Der Nasenzuganführer animiert sie noch einmal, ihre Freude über die Fasnet hinauszujubilieren.
Die alten Wolfacher Fasnetssprüche werden noch einmal inbrünstig deklamiert. Dann muss er sie
allerdings darauf aufmerksam machen, dass bald die Fasnet "e Loch hot“. Darum kann er sie nicht entlassen,
ohne ihnen den Hoffnungsschimmer mitzugeben, dass es ab morgen „scho wieder degege goht“.

 

Festspieltradition:

Eine wesentliche Säule der Wolfacher Fasnet -für viele ganz sicher der Höhepunkt -ist das Festspiel mit Festumzug
am Schellenmentig. Für jedes Jahr wird von den Narren ein neues, närrisches Bühnenstück erschaffen.
Die Themen reichen dabei von der Steinzeit bis zur Raumfahrt. Mehrere Gruppen mit –zig Teilnehmern und
Einzelrollen gestalten das Spiel. Die Wolfacher zeigen sich dabei als ausgemachte Schauspieler mit viel Spielfreude.
Auch bei der Kostümierung überraschen sie immer wieder mit phantasievollen, teils prachtvollen Ausstattungen.
Das älteste Spiel darf nicht unerwähnt bleiben: „Die Altweibermühle“ von 1787 wird auch heute noch wiederholt aufgeführt.

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