Narrenzunft Zell e.V.

 

www.narrenzunft-zell.de

Von Stefan Polap:

Wären Weihnachten und Neujahr an einem Tag, so hätte man noch lange nicht den Stellenwert, den die Fasend bei einem Zeller einnimmt.
Die hohen Tage der Narretei feiert man in Zell am Harmersbach nach alter Tradition und in einer Vielfältigkeit, wie sie im schwäbisch-alemannischen
Sprachraum kaum zu finden ist. Vom „Schmutzigen Dunnschdig“ bis Aschermittwoch ist Zell fest in Narrenhand. Vom „Fasendussrufe“ am „Schmutzigen“
über die Zunftabende der Narrenzunft, ebenfalls am „Schmutzigen“ und die Wiederholung „Schmalzigen Friddig“, bei denen das Ortsgeschehen in einem
gut vierstündigen Programm, fast ausschließlich gestaltet von den elf Narrenräten, in Szene gesetzt wird, über das Preisschnurren am „Fasendsomschdig“ und
den Preismaskenball am „Fasendmändig“, und als absolute Höhepunkte die beiden großen Umzüge am „Fasendsundig“ und die Wiederholung am
„Fasenddsischdig“, gibt es so viel in Zell zu erleben was sich hier in Worte in Kürze nicht fassen lässt, man muss es einfach gesehen und erlebt haben.

Absolutes Gänsehautgefühl gibt es für Einheimische und Gäste an der Narroerweckung am „Fasendsundig“, wenn aus dem Narrengrab am
Storchenturm hunderte der Zeller Narrofiguren über den Kanzleiplatz strömen und ihren Schabernack treiben und nochmals am „Fasenddsischdig“
zur mitternächtlichen Stunde wenn unter großem Wehklagen der Narro von den Narrenräten in sein Grab zurückgelegt wird, wahrlich einzigartige Momente.

Das Bild der Zeller Fasend prägen die vier Narrofiguren. Zahlenmäßig die größte Gruppe ist die des Bändelenarro. Zurückgehend auf die Zeller Papierproduktion
werden beim Bändelenarro handgeschnittene Papierstreifen in wechselnden, sich aber wiederholenden Farben reihenförmig auf Anzug und Hut genäht.
Weitere Narrofiguren sind der Spielkartennarro bei dem Deutsches Blatt, Skat- oder Cegospielkarten, jedoch pro Gewand nur von einer Sorte, auf Anzug und
Hose genäht werden und der Welschkornnarro, bei dem die Kolbenhüllenblätter der Maispflanze (Welschkorn) auf Anzug und Hut genäht werden.
Der mit Sicherheit beeindruckendste Narro ist der Schneckehüslinarro. Bis zu 4000 Schneckehüsli werden von Hand auf einen schwarzen Anzug und Dreispitz genäht.
Die drei erstgenannten Narro tragen die traditionelle Bändelemaske, welche ein lachendes bartloses Männergesicht zeigt, der Schneckehüslinarro trägt eine Maske
welche ebenfalls ein bartloses grinsendes Männergesicht zeigt, bei dem aber schalkhaft die Zunge zum linken Mundwinkel herausschaut.  Bei Bändele- und
Welschkornnarro runden Farrenschwanz mit Saublooder und bei Schneckehüsli- und Spielkartennarro eine Streckschere den Narro als Neckinstrumente ab.
Ebenfalls zur Zeller Fasend gehören die acht Fasendgemeinschaften, welche mit viel Ideenreichtum jährlich die großen Umzüge bereichern,
sowie mit ihren Gemeinschafts- und Kappenabenden zur Einzigartigkeit der Zeller Fasend beitragen.

Die Zeller Fasend ist alt, und wenn man es genau nimmt saualt. Erste Belege reichen weit ins 16. Jahrhundert zurück. Die Narrenzunft selber
wurde 1923 gegründet ihr Vorläufer das sogenannte „Comitee“ trat ab 1858 in Erscheinung. Zurzeit hat die Narrenzunft ca. 1000 Mitglieder.

Organe:                     Vorstand = Narrenrat (11 männliche Personen)

Zunftmeister:          Clemens Halter

Gruppen:                   Narrenrat und Narroträger

Traditionsfiguren:       Bändelenarro, Welschkornnarro, Kartennarro und Schneckehüslinarro

Fasendsruf:              Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz, un wenn die Katz nit hoorig wär, no dät sie keini Misli fonge.

Fasendmarsch:        „Die Fasend steckt d´Zeller“ (Musik: Ludwig Junkert)

Vereinsheim:            Narrenkammer und Ratskeller Kulturzentrum „Obere Fabrik“

Literatur:                 Thomas Kopp, „Die Chronik der Zeller Fasend“

Postadresse:            Postfach 1111 77732 Zell a. H.

 

 
 
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