Historische Narrenzunft Markdorf e.V.


http://www.narrenzunft-markdorf.de/

In Markdorf heißt’s „Narri-Narro“, wenn zwischen dem Narrenweckruf am Dreikönigsabend und dem Fasnachtverbrennen am
Fasnachtdienstag die Narren unterwegs sind. Das älteste Häs in der Markdorfer Zunft ist der Hänseler. Ein Plätzlehäs, dessen Spuren
sich seit dem 18. Jahrhundert in verschiedenen Aufzeichnungen finden. Getragen wird es nur von Männern, die gerne gekonnt ihre Karbatsche,
eine bis zu 4,50 m lange Goisel knallen lassen. Vermutlich kam sie während der Türkenkriege mit Soldaten aus dem Balkan heim an den Bodensee
und gelangte in die Fasnacht, weil gefällt, was Krach macht und lärmt.

Im Jahre 1934 tauchte das erste Mal der Kaujohle, ein Waldgeist aus dem Gehau, als Einzelfigur in der Markdorfer Fasnacht auf.
Die Sage erzählt von einem Förster, der das Sammeln von Holz, Beeren und Pilzen verbot. Weil er zu den Menschen gar so böse war,
musste er zur Strafe seit seinem Tod als johlender Geist in seinem Wald, den alle bis heute nur das Kau nennen, umgehen. Seit 1954
sind die Kaujohle mit vielen Familien die größte Narrengruppe der Zunft.

Bereits 1928 wurden im Narrenbuch die Alt-Markdorferinnen erwähnt. Anlehnend an eine alte Bürgertracht wurde das Häs im Jahre 2000 neu
entworfen und seitdem sind die Damen wieder munter an der Fasnacht unterwegs. Die Markdorfer Fahnenschwingergruppe schloss
sich vor fünf Jahren der Zunft an. Mit ihren farbenprächtigen Fahnen, ihren gekonnten Würfen am Umzug und ihren ausgefeilten Choreografien
bei Aufführungen begeistert sie ihr Publikum. Gerne gesehen sind auch die jungen Damen der Zunftgarde, die mit Hellebarde und
im Häs einer Schlossgarde an Umzügen mitmarschieren. Im Saal präsentieren sie ihren schmissigen Gardetanz ganz nach Tanzgardemanier
in Rock und Bluse. Neben unserer Zunftmeisterin, ihren beiden Stellvertretern, dem Narrenrat und Präsidium,
welche gemeinsam die Geschicke der Zunft lenken, gibt es in der Markdorfer Fasnacht auch noch vier Einzelfiguren.

Ganz typisch für die Bodenseeregion ist unser Narrenelternpaar, welches traditionell von zwei Männern dargestellt wird. Am Umzug
immer vorne weg läuft, Platz machend, der Narrenbolizei mit seiner großen Schelle und direkt vor der Zunftkapelle findet man, zur Musik tänzelnd,
den Narrenbüttel. Mit seiner Eselohrentracht und Marott erinnert er an einen spätmittelalterlichen Hofnarren.

Zur Geschichte: Im Jahre 1885 wurde in Markdorf ein Narrenverein gegründet, um die "losen Fasnachter" zu vereinen.
Dieser wurde 1927 in Historische Narrenzunft Markdorf umbenannt und 1929 schloss man sich der Vereinigung
schwäbisch-alemannischer Narrenzünfte an und ist Mitglied der Fasnachtslandschaft Bodensee-Linzgau-Schweiz.
Doch die Fasnacht, in Markdorf "Fasnet" genannt, ist viel älter. Bereits 1488 wird von einer Fasnachtszeche, der
"Bruderschaft zum Scheublintisch" (runder Tisch) berichtet und während der französischen Besatzung 1793 sind
"alle Arten von Masquen und Flecklekleider" verboten. Tradition und Brauch wird im alten Linzgaustädtchen, am Fuße des Gehrenbergs,
großgeschrieben und so besuchen die Markdorfer Narren nicht nur befreundete Zünfte in Nah und Fern, sondern sie pflegen
auch die Fasnacht im eigenen Städtchen. Was sollen wir erzählen?

Kommen sie nach Markdorf, staunen sie, wenn die Hänseler zu Dreien oder Vieren im Takt schnellen, glonkern sie am Schmotzige Dunschdig
mit unseren Hemedglonkern durch’s Städtle, feiern Sie auf dem Lumpenball und besuchen Sie das Dreckkibelg’schwätz, bei dem jeder etwas sagen darf,
dem es danach ist. Fasnet kann man nicht beschreiben, man kann sie nur erleben! Darum auf in die alte Narrenstadt am Gehrenberg!

Herzlich Willkommen und Narri-Narro!

Text: Cornelia Rick

 

 
 
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