Karnöffelzunft Willisau


https://www.karnoeffelzunft.ch

Die Willisauer Fasnachtstradition reicht bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück. Die eigentliche Zunftgründung erfolgte am 16. Januar 1891.
Nach einem zwischenzeitlichen „Abtauchen“ fand am 2. März 1949, einem Aschermittwoch, die Neugründung statt. Seither entwickelt
die Zunft eine rege und erfolgreiche Tätigkeit. Diese Arbeit wird auch öffentlich anerkannt: Im Jahr 2012 verlieh die Stadt Willisau ihren
Kulturpreis an die Karnöffelzunft für ihre Verdienste „in der Erhaltung und Erneuerung fasnächtlichen Brauchtums zu Gunsten der
ganzen Bevölkerung.“ Aktuell zählt die Zunft 71 Mitglieder

Die Kostüme der Zunft stellen das Karnöffelspiel – auch Kaiserspiel genannt – dar, welches im 15. Und 16. Jahrhundert sehr verbreitet
war und in unserer Gegend bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gespielt wurde. Das Karnöffelspiel hat in der Einbildungskraft des Volkes
eine beträchtliche Rolle gespielt. Seine vielfache Erwähnung in Volksliedern und Fasnachtsspielen sowie religiösen und politischen
Streitschriften beweisen dies. Die Zunft hat das Karnöffelspiel nach alten Regeln wieder zum Leben erweckt.

Im Jahre 2000 liess die Karnöffelzunft auf der Basis der im Original noch bestehenden Willisauer Karnöffelspielkarten neue Gewänder fertigen.
Jeder Zünftler trägt eine Karte dieses Spiels, so Eichel-König, Schellen-Ober, Schilten-Under, Rosen-Under usw.

Auch die Willisauer Brauchtumsfiguren sind nicht einfach originelle „Fasnachtsgeuggel“, sondern Gestalten, die den Sagen und Mythen
unserer Napfregion entsprangen:

Die Enzilochmannen (Wildmannen) beruhen auf der Sage, dass in den Höhlen des Enzilochs im Napfgebiet unstete Geister hausen,
die zur Strafe für ihre Untaten dorthin verbannt wurden. Die Sage nennt sie auch die Talherren. Wenn Sturm und Unwetter drohen,
hört man Stunden weit vom Enziloch her ein Krachen und Donnern. Der Lärm wird den Talherren zugeschrieben, die zur Strafe mächtige
Felsblöcke aus der Taltiefe heraufstossen müssen. Diese entgleiten immer wieder ihren knorrigen Händen und fallen unter
fürchterlichem Gepolter in die Schlünde zurück.

Das Stadttier stellt einen Geisterhund dar und erinnert an einen bestraften Stadtbaumeister, der nach dem Stadtbrand vom 21. August 1471
sein Haus entgegen der Bauverordnung viel schöner und unter Missachtung der Baulinie nach vorne gebaut hat. Zur Busse muss er nach einer
alten Sage in den Fronfastennächten „unter abscheulichem Geschrei, das mit keinem anderen Ton vergleichbar ist und durch Mark und Bein geht“,
rings um die Stadtmauer wandeln. Der Nachtwächter führt es mit starker Hand an der Kette, damit es nicht allzu grossen Schaden anrichtet.
Er selbst hält es sich mit der Hellebarde vom Leibe

Die Wöschwyber sind eine autonome Fasnachtsgruppe, die der Karnöffelzunft angegliedert ist. Die Gruppe besteht seit 1981.
Die runzligen Wöschwyber sind markante Figuren. Sie tragen neben den traditionellen Kleidern und Holzschuhen der früheren Waschfrauen
eine sehr träfe Holzmaske. Und genau wie die früheren Waschfrauen hört man sie ab und zu jammern:
„Wo wetten au d’Willisauer Wyber Windle wäsche, wenn d’Wiggere wysse Wy wär?“

Und was wäre eine Fasnacht in der Schweiz ohne Guuggenmusik: In Willisau gibt es nicht weniger als fünf verschiedene Formationen,
die um die schönsten und schrägsten Töne in der Kunst der Kakophonie wetteifern. Ausserdem bereichern die Moorsträggele aus dem
Weiler Ostergau sowie die Hühner und Hähne der Güggalizunft aus den Weiler Daiwil und viele freie Gruppen die Narrenzeit.

Die Willisauer Fasnacht wird am ersten Freitag nach dem Dreikönigsfest eröffnet. Grosser Höhepunkt ist neben den traditionellen
Fasnachtstagen die Städtlifasnacht, die immer am Sonntag vor dem Schmutzigen Donnerstag stattfindet. Die Willisauer Altstadt
verwandelt sich für einige Stunden in eine einzige Fasnachtsbühne. Die Bescherung in den Altersheim und die Kindergartenfasnacht
gehören ebenso zu den jährlichen Programmpunkten wie der Sprüchliabend mit Schnitzelbänken am Güdismontag.

 

Umzugsfolge

Stadttier und Nachtwächter

Enzilochmannen

Zunftmeister

Zünftige

Wöschwyber

Moorsträggele

Guuggenmusig

 

Narrenruf: Narri – Narro!

 

 

 
 
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