Offenburger Hexenzunft e.V.


www.hexenzunft.de

Name der Zunft:

Offenburger Heenzunft e.V.

Gründungsdatum:

1935

Verbandszugehörigkeit:

VSAN seit 1937

Mitglieder:

ca. 200 Aktive

Häs:

Hexen: (nur Männer) Die Offenburger Hexe war die erste in Häs und Holzmaske fixierte Hexengestalt in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht. Typische Kennzeichen der Offenburger Hexe sind das weissgepunktete rote Kopftung in Form einer gotischen Haube und der schwarzgrundige, kleingemusterte Peter (Jacke). Außerdem der rote Rock mit den zwei schwarzen Streifen am Saum. Unter den Offenburger Hexen befinden sich ausschließlich Männer.

Wohl einmalig dürfte der Brauch der "Hexennamen" sein. Jede Hexe erhält bei ihrer Aufnahme in die Zunft einen Spitznamen, in dem ein eigentümliches Merkmal der Person enthalten ist. Dieser Name dient in der Hauptsache dazu, sich gegenseitig unter der Maske persönlich ansprechen zu können, ohne daß hierbei die anwesenden ''Zivilisten'' den wahren Namen der Hexe erfahren. Die Hexennamen sind nur innerhalb der Zunft bekannt, und werden streng geheim gehalten.

Teufel/Hexenmeister: (Mann) Die Einzelfigur des Offenburger Teufels wurde im Jahre 1948 entworfen. Es ist eine Einzelfigur der Offenburger Hexenzunft. Diese im gesamten schwäbisch-alemannischen Fastnachtsgebiet wohl einmalige Narrengestalt ist nur dem Zunft- bzw. Hexenmeister oder dessen Stellvertreter vorbehalten. Der Teufel bzw. der Hexenmeister führt die Hexenzunft bei ihren Auftritten an und vollzieht die Rituale des Hexenspuks und der Stempelung.

Spättlehansel: (nur Frauen) Dieses Hansele hat die für das Kinzigtal typischen "Spättle" in den Farben rot, schwarz, gelb, grün und grau. Als "Spättle" werden kleine Stoffreste bezeichnet, die früher vorwiegend dazu benutzt wurden, um schadhafte Stellen an Kleidungsstücken auszubessern. Ein Hahnenkamm aus rotem Spättle dient als Abschluss der lächelnden Holzmaske. Dazu wurde das Spättlehansele mit einer an einem langen Farrenschwanz befestigten Saubloder (Schweinsblase) ausgerüstet. Unter den Offenburger Spättlehansel befinden sich ausschließlich Frauen.

Alt-Offenburgerinn: (nur Frauen) Nach dem Krieg konnte sich die Figur der Alt-Offenburgerin durchsetzen. Sie ist aus den Schnaigerinnen hervorgegangen, die in Frauenkleidern mit einer Gazemaske verkleidet, mit frechem Mundwerk, aber niemals verletzend über die anderen herzogen, also "schnaigten". Das Häs der Alt-Offenburger Bürgerinnentracht ist im Biedermeierstil gefertigt und mit einer bestickten Goldhaube verziert.

Büttel: (nur Männer) Der Büttel oder Sechser ist die Narrenfigur, die für die "Hexenanwärter" vorbehalten ist. Ihnen obliegt eine zweijährige Probezeit, bevor sie zur Hexe gewählt werden können. Unter den Bütteln sind deshalb nur Männer. Sie kündigen mit ihrer Büttelglocke den Zug der Hexen an und betätigen sich als Helfer der Hexen.

Narrenruf:

"Schelle, schelle Sechser, alli, alti Hexe Narro, s´ bisst mi e Floh, weiss nimmi wo, am Popo!"

Historie:

Genug Gründergeist besaß in den 1930er Jahren ein Ehepaar namens Vollmer, um in Offenburg eine Fastnachtsfigur zu schaffen, die sich von den überkommenen Traditionen abheben und vor allem die Straßenfastnacht entscheidend mitprägen sollte.

Pauline und Karl Vollmer nahmen den  uralten Narrenruf "Schelle, Schelle Sechser, alli alti Hexe, Narro!" als Anlass. Zu zweit schuf man mit künstlerischem Geschick die Maske der "Offenburger Hexe". Diese aus Lindenholz geschnitzte Maske wurde mit einem roten weißgepunkteten Kopftuch abgeschlossen, das über ein Drahtgestell in der Form der gotischen Haube gebunden wurde. Sechs Strohzöpfe mit kleinen Schellen sollten charakteristisch für die Offenburger Hexe sein.

Für das Häs (Kostüm) wurde der sogenannte "Peter" - eine klein gemusterte Jacke - ein roter Rock mit schwarzen Streifen und eine buntgemusterte Schürze genäht. Dazu die weiße lange Unterhosen, bunte Ringelsocken, die typischen Strohschuhe und natürlich der obligatorische Reisigbesen, mit dem die "neugeborenen" Hexen noch einiges vor hatten.

1935 gelang der Durchbruch!. Beim großen schwäbisch-alemannischen Narrentreffen in Offenburg sprangen die beiden Vollmers in ihrem selbst kreierten Hexenhäs beim Umzug mit und erhielten durch ihr lebhaftes Auftreten und ihre gekonnten Neckereien viel Beifall und Anerkennung aus der Bevölkerung. Was sie anstrebten, hatten sie erreicht. Wenige Tage später belebten in Offenburg bereits 9 Hexen mit einem Strohfeuer das närrische Geschehen.

Hexenvater Karl Vollmer fertigte damals von jedem Mitglied eine Zeichnung, eine Art Karikatur, an. Nach Vollmers Plastilin-Wachsmaskenentwürfen, die dem jeweiligen Träger zuvor angepasst wurden, sowie nach seinen Zeichnungen, wurden dann die Masken aus Lindenholz geschnitzt. Jede Maske erhielt somit einen persönlichen Charakterzug ihres Trägers. Dies dürfte einmalig in der schwäbisch-alemannischen Fasent sein. Heute werden die Masken zwar nicht mehr nach Modellentwürfen geschnitzt, sind in sich aber nach wie vor sehr unterschiedlich, bis auf die von den Gründern vorgegebenen Grundcharakteristika Hakennase, spitzes Kinn und Brollauge.

Die noch heute gebräuchlichen Hexenriten, wie Hexenspuk mit Stempelung eines prominenten Opfers sowie Hexenfeuer und Besentanz stammen aus dem närrischen Geist des Ehepaars Vollmer.

Auch heute achtet die Zunft unverändert darauf, dass die Vorgaben der Gründer zeitgemäß erhalten bleiben, dass das Ansehen einer fröhlich-frischen Zunft bewahrt bleibt, dass man sich insbesondere um den Nachwuchs sorgt und dass die Zunft die fastnachtliche Brauchtumspflege erhält und pflegt.

Die Heimstätte der Hexenzunft ist die mittlerweile dritte Hexekuchi unter dem Offenburger Salzhaus. Sie wurde 1980 eingeweiht.

 

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